Liebe Brüder und Schwestern,
wir freuen uns über eure Anwesenheit im Tempel und glauben, dass ihr während des Sommers die notwendigen physischen und geistigen Kräfte getankt habt. Viele von euch erleben zusammen mit euren Kindern die Öffnung der Schultore, was uns symbolisch auch an das Jubiläumsjahr erinnert, das mit dem Durchgang durch die heiligen Tore der päpstlichen Basiliken verbunden ist. Wenn wir uns an Jesu Worte „Ich bin die Tür...“ (Joh 10, 9) erinnern, nehmen wir Jesu persönliche Sorge um jeden von uns tiefer wahr, damit wir bei ihm Sicherheit und Schutz finden. In der Liebe Gottes finden wir gleichzeitig die Kraft und die Einladung, die Liebe untereinander zu leben.
Leider beobachten wir oft eher negative Beziehungen um uns herum, die geprägt sind von „Zudrucken der Türen“ oder sogar von „Schließen der Türen“. Wir sind Zeugen der allgemeinen Vulgarisierung zwischenmenschlicher Beziehungen und der Kommunikation, sei es in der physischen oder in der Online-Welt.
Umso mehr schätzen und danken wir euch, liebe Eltern, Großeltern, Lehrer und Erzieher, dass ihr mit eurem Beispiel die euch anvertrauten Personen zu respektvoller und liebevoller Kommunikation führt, die das Spiegelbild einer persönlichen Beziehung zu Gott und zu anderen ist.
Wir laden euch ein, gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir die verbleibenden Monate des heiligen Jahres bestmöglich nutzen können, um unsere Beziehungen zu verbessern. Lassen wir uns fragen, warum wir oft so grob, respektlos und gleichgültig zueinander sind? Warum können wir bei der Diskussion über Meinungen, auch über sehr grundlegende, Frieden und Respekt gegenüber unserem Dialogpartner nicht bewahren? Warum wird die sachliche Diskussion über ein konkretes Problem oft durch persönliche Angriffe blockiert, die eine weitere Konversation unmöglich machen? Wie können wir es erreichen, dass Türen nicht zuknallen, Tore nicht verbarrikadiert und Brücken nicht verbrannt werden?
Die Antwort müssen wir in der Wahrheit über den Menschen selbst suchen. Der Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen. Und der dreifaltige Gott ist beziehungsreich, denn er ist die Gemeinschaft der Liebe dreier Personen: des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Deshalb erfährt der Mensch aus seiner Natur heraus die tiefste Freude, wenn er in Liebe aus sich herausgeht, um Gott und auch einen anderen Menschen zu treffen und ihn in seiner Andersartigkeit als Geschenk anzunehmen.
Unsere Zivilisation leidet jedoch zunehmend unter einer alarmierenden Abwesenheit des Aufbaus natürlicher Beziehungen, unter einem immer größeren Mangel an realen Beziehungen zu anderen. Moderne digitale Technologien sind bedeutende Hilfsmittel der Menschheit, aber ihre unbegrenzte Nutzung schadet uns. Erschreckend, ja traurig, ist zum Beispiel der Anblick von Familien oder Freunden, die zwar gemeinsam um einen Tisch in einem Restaurant sitzen, aber anstatt zu reden, beschäftigt sich jeder nur mit seinem Smartphone. Wie viel schöner wäre es, sich zu treffen und Interesse an den Nächsten zu zeigen, ohne die störenden Signale der sozialen Medien!
Der Heilige Vater hat uns in seiner kürzlichen Ansprache eingeladen, „Beziehungen zu schaffen, Netzwerke der Liebe, Netzwerke der uneigennützigen wechselseitigen Austauschs, in denen Freundschaft authentisch und tief ist. Netzwerke, in denen das, was zerrissen ist, geheilt werden kann, wo man aus der Einsamkeit geheilt werden kann, ohne Rücksicht auf die Anzahl der Follower – Anhänger, und wo man bei jedem Treffen die unendliche Größe der Liebe Gottes erfahren kann. Netzwerke, die anderen mehr Raum geben als sich selbst, wo keine 'Blase' die Stimmen der Schwächsten überdecken kann. Netzwerke, die befreien, Netzwerke, die retten. Netzwerke, die uns helfen, die Schönheit wiederzuentdecken, einander in die Augen zu sehen“. (Vergleiche: Ansprache des Papstes an die Teilnehmer des Jubiläums der digitalen Missionare und Influencer, Vatikan, 29. Juli 2025)
Jesus, unser Heiland und Retter, ist das untrennbare Fundament unserer schönen zwischenmenschlichen Beziehungen. Er bietet uns seine bedingungslose Liebe an. Er bietet uns sie als Quelle und innere Stütze jeder Liebe zwischen Menschen an. Gerade der auferstandene Jesus ist das wahre „offene Tor“ zu guten Beziehungen.
Eine Möglichkeit, die Beziehung zu Gott, zum auferstandenen Christus und unter uns zu stärken, ist auch die Feier des Sonntags. Der Sonntag bedeutet mehr als nur das Ende des „Wochenendes“. Der Tag der Auferstehung Jesu ist der erste und der achte Tag der Woche (vergleiche: Sacrosanctum concilium 106), er ist der Anfang und das Ende von allem. Der Sonntag schafft uns als Tag der Arbeitsruhe Raum, um mit Gott zu verweilen und um anderen zu begegnen, wodurch er uns auch auf den Zeugnis ablegenden Einsatz an den anderen Tagen der Woche vorbereitet und ermutigt. Der Sonntag ist für die Gläubigen die Gelegenheit, sich den Werken der Barmherzigkeit, der Liebe und des Apostolats zu widmen. Gerade der Sonntag ist die Gelegenheit zu einem näheren Treffen mit Jesus, der uns stärkt, sein Beispiel in den Einzelheiten der alltäglichen Tätigkeiten zu aktualisieren. Mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus werden wir auch wir ein Geschenk füreinander, das wir in Dankbarkeit im Gespräch oder bei jedem Treffen teilen.
Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns immer wieder zu einer möglichst vollen Erfahrung des Sonntags als „Tag des Herrn“ zurückkehren. Denn unseren Glauben können wir kaum im vollen Gemeinschaftsgeist mit Brüdern und Schwestern leben, ohne regelmäßige Teilnahme an der sonntäglichen eucharistischen Versammlung. Inmitten dieser entspringt die Quelle der Gnade, die die Menschen, das Leben und die Geschichte erneuert und der Impuls der Lebensenergie sowie der Grund der Hoffnung ist. Die Zeit, die dem auferstandenen Herrn der Geschichte gewidmet ist, ist der Keim einer guten und qualitativ hochwertigen Zukunft.
Öffnet die Türen unseres Herzens! Möge uns das Evangelium selbst die Einladung sein, uns über die Möglichkeit zu freuen, in erneuerte Beziehungen, ins Leben anderer einzutreten, eine helfende Hand zu reichen und anzunehmen – denn wir alle brauchen einander ohne Ausnahme sehr.
Von Herzen segnen euch die katholischen Bischöfe der Slowakei für die kommenden Tage des heiligen Jahres.